February 17th, 2010
Frank Rost gehört noch einer Profi-Generation an, die ein gepflegtes Tacheles dem heißen Brei vorzieht. Einer, dem bei farbigen Kickerschuhen nicht blos wegen der teilweise grellen Farben die Augen tränen. Der Keeper spricht eine nicht bequeme Tatsache an.

Der 36 Jahre alte Torhüter vom Hamburger SV hatte sich bereits früher immer wieder kritisch zur Entwicklung im modernen Fussball geäußert. Seine Mitgliedschaft bei den Schalker Ultras unterstreicht die klare Distanz zum “Big Business” Profi-Fussball.
“In der Bundesliga kommen immer mehr Event-Besucher, um sich berieseln zu lassen. Dieser Bogen darf nicht überspannt werden”, hatte Frank Rost bereits im “Sommermärchen”-Jahr gegenüber dem “kicker” erklärt. Der Verlauf habe nicht mehr viel mit Sport zu tun und tut die Stimmung im negativen Sinne beeinflussen. “Alles muss kontrolliert ablaufen, planbar sein”, bemängelte Rost früher. “Im übertriebenen Sicherheitswahn und dem Schielen auf Profit verlieren viele die Wurzeln des Fußballsports aus den Augen.”
Im Magazin “Sport Bild” bestätigte er seine Kritik jetzt mit Nachdruck . “Das ist doch nicht mehr das normale Leben, wenn man sich den ganzen Hype ansieht. Das ist mir alles zu abgehoben. Das ganze Profi-Geschäft entwickelt sich immer mehr zu einer bunten Scheinwelt.” Rost sieht sich als Mitglied einer anderen Sportler-Generation: “Ich kann mit riesigen Kopfhörern, total lauter Rap-Musik und dem ganzen Play-Station-Gezocke ganz wenig anfangen.”
Durch die extreme Aufmerksamkeit im öffentlichen Raum hat sich der Druck auf die Spieler absolut erhöht, erklärt Rost weiterhin. Dadurch sei es sehr schwierig geworden, den richtigen Weg zu finden. “Berater und Vereine wollen mit den Spielern Geld verdienen”. Rost hat bestimmt in vielen Punkten Recht. Dennoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass durch exakt diese gestiegene Öffentlichkeit des Fussballs auch die Gehälter der Spieler nach oben geschossen sind. Dabei gehts nicht um eine neue blödsinnige Neid-Debatte um die Gehälter der Spieler, sondern um ein klares Augenmaß innerhalb einer angebrachten Debatte. Denn auch die gescholtenen Vereine sitzen ganz deutig beim teils unverfrorenen Vertragspoker der kickenden “Arbeiter” trotz laufender Arbeitspapiere oftmals am kürzeren Hebel.